Eröffnungsfilm: Der Stellvertreter (AMEN) – von Costa-Gavras, Mittwoch, 18.01.2017, 19:00, Saal 1

Deutschland, Frankreich, Rumänien 2002, R: Costa-Gavras, D: Ulrich Tukur, Mathieu Kassovitz, Ulrich Mühe, Michel Duchassoy u.a., 125 Min, 35mm, OmdtUT, FSK: Ab 12

Handlung:

Deutschland während des Zweiten Weltkrieges: Ingenieur Kurt Gerstein (Ulrich Tukur) ist im Hygiene-Institut der Wehrmacht für die Wasserversorgung der Front-Soldaten verantwortlich. Er wird nach Polen geschickt, um das tödliche Gas Zyklon-B zu entwickeln, angeblich um Krankheitserreger bei Ratten und anderen Tieren zu töten. Doch vor Ort wird er erstmals Zeuge der systematischen Ermordung von Juden sowie anderer politisch oder sozial in Ungnade Gefallener in den Konzentrationslagern.

Zurück in Deutschland versucht er den katholischen Priester Riccardo Fontana (Mathieu Kassovitz) zu überzeugen, die Verbrechen der SS öffentlich zu machen. Beide versuchen im Vatikan bei Papst Pius XII. (Marcel Iures) zu intervenieren…Costa-Gavras Meisterwerk basiert auf dem Schauspiel „Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel“ des Schriftstellers Rolf Hochhuth, das das Versagen der katholischen Kirche während des Zweiten Weltkrieges thematisiert.

Costa-Gavras

Costa-Gavras (eigentlich Konstantinos Gavras) ist ein griechisch-französischer Regisseur und Drehbuchautor, der in Paris lebt und arbeitet. Seit mehreren Jahren Leiter der Cinématheque Française, gilt er als einer der wichtigsten Vertreter des engagierten Politthrillers. Costa-Gavras wurde mit den wichtigsten Filmpreisen der Welt ausgezeichnet – darunter einem Oscar (MISSING),  einer Goldene Palme (MISSING), einem Jury- und Regiepreis in Cannes (Z, SECTION SPECIALE),  einem Goldenen Bären (MUSIC BOX), einem César (AMEN) u.v.m.

Costa-Gavras wurde 1933 in Arkadien, Griechenland, geboren. Nach Kriegsende zog seine Familie nach Athen, wo Gavras Vater wegen des Verdachts auf kommunistische Aktivitäten verhaftet wird. Dem Sohn verweigert man nicht nur das Studium an einer griechischen Universität, sondern auch ein Visum für die USA, wo er studieren will. In den Fünfzigerjahren ist Costa-Gavras Ballettänzer, geht 1951 nach Paris und studiert an der Sorbonne Literatur, ab 1956 Film an der Filmhochschule IDHEC. Die erste praktische Filmarbeit ist eine Regieassistenz bei René Clements „Der Tag und die Stunde“. 1965 dreht Costa-Gavras mit der Verfilmung von Sébastian Japrisots „Mord im Fahrpreis inbegriffen“ seinen ersten Film als Regisseur. Yves Montand, Simone Signoret und der Schriftsteller Jorge Semprun produzieren den Thriller, der ein guter Start für Costa-Gavras Karriere ist. Der nächste Film 1968 macht Costa-Gavras jedoch als Regisseur für Politthriller berühmt: Es ist „Z“, sein grosses Meisterwerk, der auf einem wahren Fall basiert, mit Yves Montand in der Hauptrolle. Obwohl der Film kaum Werbebudget hat, wird er – auch aufgrund der damaligen politischen Situation der Junta in Griechenland – weltberühmt. Weitere erfolgreiche Filme schliessen MISSING (1982) mit ein, über die “disappeared persons” sowie den Anteil der USA am Militärputsch in Chile , VERRATEN (1988) über Rechtsradikalismus in den USA und seine Folgen sowie MUSIC BOX (1989) über den Prozess eines Nazi-Verbrechers, ebenfalls in den USA. 1997 dreht er MAD CITY mit John Travolta und Dustin Hoffman, 2002 ist er Co-Autorund Regisseur des STELLVERTRETERS mit Ulrich Tukur und Mathieu Kassovitz (s. Synopsis). Bei DIE AXT (2005) beseitigt ein frustrierter Ingenieur seinen Konkurrenten auf brutale Weise. Costa-Gavras ist seinem politischen Engagement und seiner Integrität nie untreu geworden. Sein Flüchtlingsdrama EDES IS WEST (2009) ist aus heutiger Sicht fast schon visionär, illegale Flüchtlinge stranden in Griechenland und erleben in jeder Beziehung die komplette Desillusionierung. Auch in seinem letzten Spielfilm CAPITAL (2012) packt Costa-Gavras die korrupten Machenschaften und die Unmenschlichkeit gieriger französischer Privatbanken in einen packenden Finanzmarkt-Thriller.