Küsse für die Kinder – von Vassilis Loules; Sonntag, 24.01., 17:45 (Saal 2)

Griechenland 2012, R: Vassilis Loules, 115 Min, OmdtU

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Handlung:

Versteckt hinter einer Fensterscheibe musste die damals 10-jährige Rosina Asser-Pardo den Deportationszug der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki mit ansehen. Unter den Menschen auf der Straße war auch ihre Großmutter zu erkennen. So wie Rosina waren auch Iossif, Eftyhia, Shelly und Marios als Kinder bei nicht-jüdischen Familien versteckt . “Kisses to the Children” lässt die Erinnerungen der fünf ProtagonistInnen aufleben und berichtet auch vom jüdischen Leben in Griechenland, bevor die Nazis das Land überfielen.

“Küsse für die Kinder” ist nicht einfach ein weiterer Film über den Holocaust; es ist ein Film über Kindheiten im Schatten des Holocaust.

Fünf griechische Kinder aus jüdischen Familien, die während der Zeit der deutschen Besatzung in Griechenland von Christen in Sicherheit gebracht wurden und eine lange Zeit in völligem Schweigen gelebt haben, erzählen jetzt, als betagte Erwachsene, von ihren Erfahrungen. Geschichten von Terror, Angst und Verwirrung, aber auch von Erlösung und kurzen Momenten einer manchmal beinah sorgenfreien Kindheit in der schützenden Obhut von ihnen zuvor Fremden, die sich ihrer annahmen. Geschichten von geheimen Gärten Eden, Wiegen der Liebe, in denen diese Kinder überleben konnten, immer wieder den Schrecken des Holocaust ausgesetzt und doch auch immer wieder wie durch ein Wunder davor bewahrt. Fünf Kinder, die gezwungen waren, schlagartig erwachsen zu sein. Rosina, Iossif, Eftyhia, Shelly und Marios vermitteln die Eindrücke tausender Kinder von damals, die niemals die Chance hatten, erwachsen zu werden und ihre Geschichten selbst zu erzählen. Der Film folgt dem Lebensweg dieser Fünf von der Kindheit bis heute. Er ermöglicht einen Zugang zu ihren bisher unbekannten Geschichten und gewährt Einblick in sehr private Zeugnisse – das Tagebuch eines Kindes, Fotografien, persönliche Videos. Der Film beschreibt das Leben der griechisch-jüdischen Gemeinde vor dem Krieg. Er zeigt seltene Archiv-Bilder vom besetzten Griechenland sowie Archivmaterial, das Amateurfilmaufnahmen deutscher Soldaten und von griechischen Patrioten heimlich gedrehtes Filmmaterial umfasst.
Der Film “Küsse für die Kinder” wurde 2012 zunächst in Athen und Thessaloniki und anschließend bei etlichen Veranstaltungen in ganz Griechenland gezeigt. Derzeit ist “Küsse für die Kinder” zu besonderen Anlässen in Europa, den USA, Kanada und Australien zu sehen.

Vassilis Loules

studierte Elektrotechnik und Film. Anschließend arbeitete er wiederholt zusammen mit dem Filmarchiv des Auswärtigen Amts in Griechenland und mit der Hellenic Broadcasting Corporation (ERT), wo er Koordinator für das Kurzfilmprogramm war.

Seine Werke haben zahlreiche Preise auf Filmfestspielen gewonnen; sie wurden in Griechenland und im Ausland im Fernsehen gezeigt. Vor allem erzählen sie von individuellen Schicksalen in höchst bewegten, dramatischen Zeiten. Loules’ Kurzfilm “A Bright Shining Sun” (2000) wurde auf ARTE ausgestrahlt und fand im Rahmen der Präsentation der Höhepunkte des „Neuen Griechischen Films“ international Beachtung. Weitere Filme von Vassilis Loules: “Absent” (1990), “The Mountains of Meteora and Pindos, a journey” (1996), “Eleusis; Stories in the echo of machines” (1999), “Lela Karayannis, the Fragrance of a Heroine” (2005), “And I also passed by there and had paper shoes to wear” (2013), “The Noose” (2014)