Schiff nach Palästina – von Nikos Koundouros; Sonntag, 24.01., 15:45 (Saal 2)

Griechenland 2012, R: Nikos Koundouros, DCP, 110 Min, OmdtU
Mit Eva Psilaki, Theodossis Zannis, Despina Mirou, Manolis Papadakis, Yorgos Kopsidas u.a.

FSK: ab 18

 

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Handlung:

Der Film spielt in einer kleinen Hafenstadt im Süden der Peloponnes. Protagonist ist Iordanis Kyroglou, ein höchst einflussreicher Freimaurer. Er und sein Vertrauter, der Polizeihauptmeister Giatrakos, versuchen, an die geheimgehaltene Information über den Zeitpunkt der Ankunft des Frachtschiffs „Naomi“ zu kommen, das „Weizen“ von Panama nach Israel transportiert. Während das Schiff noch unterwegs ist, wird von den völlig unterschiedlichen Schicksalen verschiedener Personen erzählt, deren jeweilige Lebenssituation auf die eine oder andere Weise von diesem Frachtschiff abzuhängen scheint. Abdullah Fakhir, Befehlshaber einer palästinensischen Kommandogruppe, Sarah Ben Susan, des Freimaurers Kyroglou jüdische Tochter, Kurt, Anführer einer Neonazi-Gruppe, sowie der Herausgeber einer Lokalzeitung und 17 Frauen, gerade erst vom krisengeschüttelten Balkan hierher gekommen – jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, jedes Einzelschicksal ist mit anderen verflochten. Und all das zusammen bildet den zentralen Erzählstrang des Films. Ein Kaleidoskop aus Charakteren, unterschiedlichen Macht- und Interessenssphären, Über- und Unterlegenheiten. Ein Prisma, das Griechenland auf sehr eigene Weise offenbart als die Schnittstelle vieler Routen. Eine Schnittstelle, an der es beim Aufeinandertreffen unterschiedlichster Welten kaum ein Ausweichen gibt.

(Deutsche Untertitel mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung.)

Nikos Koundouros

wurde 1926 auf der Insel Kreta geboren. Er studierte Malerei und Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste in Athen. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte er der linken Widerstandsbewegung EAM-ELAS an; er wurde inhaftiert und ins Straflager auf der griechischen Insel Makronissos deportiert.

Im Alter von 28 Jahren beschloss er, Regisseur zu werden. Seine Karriere begann 1954 mit dem Film „Magiki Poli“, der Einflüsse des Neorealismus auf Koundouros’ künstlerische Ästhetik erkennen ließ. Einer der Hauptdarsteller des Films war Thanasis Veggos, den Koundouros im Straflager von Makronissos kennengelernt hatte. Mit dem komplexen und innovativen Film „O Drakos“ etablierte sich Koundouros als ernstzunehmender Regisseur in der griechischen und europäischen Filmszene. Er gewann zahlreiche nationale und internationale Preise, darunter mit „Young Aphrodites“ auf der Berlinale 1963 den Silbernen Bären für „Beste Regie“. Nikos Koundouros’ Beschäftigung mit Malerei, Antiker und Byzantinischer Kunst, Bildhauerei, Architektur und Theater findet ihren deutlichen Ausdruck in der individuellen „Handschrift“ seiner Filme. Seine Kenntnisse als Theater-Regisseur und Dramaturg sowie im Bereich Bühnenbild fließen bis heute stark in seine Arbeit als Film-Regisseur ein. Die Auskunft, dass er sowohl an der Hochschule der Künste als auch auf der Folterinsel Makronissos seine Studien absolviert habe, weist auf den nicht zu ignorierenden individuellen Erfahrungsschatz des Regisseurs hin, in welchem die Erfahrung des künstlerischen und des politisch engagierten Erlebens außerordentlich stark miteinander in Beziehung stehen. Koundouros gilt als einer der Meister des griechischen Kinos. Zu seinem künstlerischen Gesamtwerk gehören Filme wie „The Vampire“ (1956), „The Outlaws“ (1958), „The River“ (1960), „Songs of Fire“ (1974), „1922“ (1976), „Bordello“ (1985), „The Photographers“ (1998).